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Yoga und Trauma

Trauma ist nach westlichem Verständnis eine tiefe körperliche oder seelische Verletzung. Jeder von uns hat eine solche schon mal erfahren, auch wenn es nicht bei jedem so belastend sein muss, dass es den Alltag stark prägt. Auch entwickelt sich nicht bei jedem Menschen bei jeder belastenden Erfahrung ein Trauma, das hängt von en individuellen Verarbeitungskapazitäten in der jeweiligen Situation ab. Aber wenn es passiert wirkt sich das stark auf das weitere Leben aus.

Kennzeichnend ist, dass das Erlebte abgespalten/verdrängt wird, man sich manchmal gar nicht mehr daran erinnert. Oder es bei Erinnerung versucht „wegzudrängen“. Es sind sehr intensive Gefühle damit verbunden, die die vorhandenen Verarbeitungskapazitäten überschreiten, so dass Abspalten/Verdrängen die einzig mögliche Reaktion des Körpers ist. Leider ist die Erfahrung dann nicht weg, sondern sitzt unverarbeitet im Körper und in der Psyche und wartet darauf noch mal angeschaut zu werden.

Traumatische Erfahrungen sind klassischerweise Schocktraumata, z.B. aus Unfällen, Kriegserlebnissen, Überfällen, Missbrauch, Gewalt. Auch von Corona wird inzwischen als kollektives Trauma gesprochen, da es uns die gewohnte Sicherheit nimmt. Aber auch Entwicklungs- oder Bindungstraumata, durch schwierige Entwicklungsbedingungen in der Kindheit können zu Schwierigkeiten im Erwachsenenalter z.B. Partnerschaften mit Abhängigkeitsstrukturen, Autoritätsprobleme im Beruf oder sonstiges führen. Auch körperliche und psychische Krankheiten wie Depression oder Burn-Out können in Traumata begründet sein.

Yoga kann eine wunderbare Möglichkeit bieten, um wieder mehr Sicherheit zu empfinden. Die Übungen sind generell sehr erdend und verbinden uns wieder mit unserer Basis.

Yin Yoga ganz speziell ist eine sehr ruhige und erdende Praxis, die jeden so sein lässt wie er ist. Sie verlangt nicht, dass man in bestimmte Haltungen sein muss, sie erwartet nichts. Sie lässt Raum für Alternativen, sie lässt Unterstützung in den Posen zu und lässt jeden Yogi seine eigene Haltung finden. Der eigene Körper kann so innerhalb seiner eigenen Grenzen Schutz finden, die Hilfsmittel wirken zusätzlich unterstützend und die Begleitung durch einen Yogalehrer bei Bedarf lässt einen das Gefühl des Getragen Seins erleben. Und das ist gerade für traumatisierte Menschen eine wunderbare Erfahrung.

Trauma lässt das Leben durch einen Schleier erleben, denn man hat eine lebensverändernde Erfahrung gemacht. Die Grundpfeiler der Sicherheit des menschlichen Erlebens bestehen nicht mehr und müssen wieder aufgebaut werden, um den Alltag wieder gut zu erleben. Hierbei hilft uns unsere Hirnstruktur, die jederzeit neue Wege zulässt. Ein Trauma kann man zwar nicht ungeschehen machen, aber man kann das Gefühl der Sicherheit in sich selbst, der Selbstwirksamkeit, neu erlernen.

Trauma setzt sich im Körper fest, dabei dient der Körper als Speicherort der heftigen Gefühle. Oft spalten wir uns innerlich ab, wenn wir schlimme Erlebnisse haben, insbesondere wenn diese in der Kindheit liegen. Aber der Körper und das Unterbewusstsein erinnern sich.

Yin Yoga ersetzt keine Traumatherapie, aber kann unterstützend wirken, um sich von einer traumatischen Erfahrung zu erholen. Insbesondere Yin Yoga hat eine sehr starke Wirkung auf die tiefen Gewebeschichten, wodurch es auch zu spontanen Gefühlsreaktionen durch Yoga kommen kann. Dies ist grundsätzlich nicht schlimm und sehr positiv zu beurteilen, denn alles was sich zeigt kann man verändern.

Jeder Mensch hat Glück und Leichtigkeit verdient, egal welche Vergangenheit er hat. Er darf sich selbst in Mitgefühl begegnen und für sich sorgen. Das ist gerade für traumatisierte Menschen schwierig, denn oft geben sie sich unbewusst die Schuld an dem was passiert ist. Selbst wenn das augenscheinlich nicht der Fall ist.

Zu mehr Informationen über Trauma empfehle ich Dami Charf oder Lea Hamann (You Tube).

Karma und Vergebung

Schon lange beschäftigt und fasziniert mich das Prinzip des Karma der Yoga-Philosophie. Karma ist nach der indischen Philosophie das Prinzip der Ursache – Wirkung, d.h. die aktuell erlebte Wirklichkeit ist das Ergebnis einer Handlung der Vergangenheit. So kann man durch positive Handlungen auf eine gute Zukunft und aus schlechten auf eine schlechte Zukunft deuten. Wenn man dann die Handlung wieder ausgleicht, dann hebt man auch das Karma wieder auf. Das klingt erst mal nach ausgleichender Gerechtigkeit, aber was bedeutet das wirklich?

Jetzt hatte ich ein Erlebnis das mir das ganze verdeutlicht hat und mir auf diversen Ebenen zeigt, dass es Karma tatsächlich gibt, und dass es Möglichkeiten gibt, dieses aufzulösen.

Ich habe am Wochenende ein Seminar bei der wunderbaren Stefanie Arend besucht, in dem es um die Wirkung von Yin Yoga für traumatisierte Menschen ging. Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt was das jetzt mit Karma zu tun haben soll. Aber gleich mehr zu dieser Geschichte. Denn das Seminar war nur der Auslöser einer Kette von Ereignissen, die scheinbar zufällig ineinander greifen.

Ich wurde nochmal stark mit den Themen Bewertung und vorschnelles Verurteilen konfrontiert.

In dem Seminar haben wir eine Meditation gemacht, bei der man sich am Ende eine Farbe vorstellen soll, bei der man Kraft tanken kann. Bei mir kam eine Farbe, die mir erst mal überhaupt nicht gefallen hat. Ein dunkles Braun, das mein Kopf erst mal als ziemlich hässlich abgetan hat. Glücklicherweise weiß ich inzwischen, dass es in jedem hässlichen auch etwas schönes gibt und ich konnte es zulassen, diese Farbe auf mich wirken zu lassen. Und siehe da, dann kam ein dunkles Grün dazu, und ich hatte schnell das Gefühl ich liege auf einem weichen und warmen Waldboden und konnte mich sehr schön entspannen und mit der Erde verbinden. Wie schnell wir doch etwas als richtig oder falsch, als gut oder böse, schön oder häßlich einstufen, etwas ablehnen. Wie schnell man doch innerlich schlechte Gedanken entwickelt und etwas oder jemanden verurteilt.

Es kamen noch einige Erlebnisse im Außen, die genau dieses „Nicht bewerten“ oder „Ales darf sein und hat seinen Grund“ mir immer wieder zeigten. Insbesondere eine schöne Geschichte aus dem Büchlein „Weisheitsgeschichten des Yoga“ von Doris Ihding, eine Achtsamkeitslehrende und Gastdozentinnen des Seminars. In der Geschichte ging es darum, dass verurteilende Gedanken schlimmer sein können als fehlerhafte Handlungen. Also auch zu negativem Karma führen.

Nach dem Seminar machte ich abends einen kleinen Spaziergang und dachte eigentlich gar nicht mehr an die Ereignisse. Ich dachte nur kurz an die Themen, die sich in meinem Leben so ereignen und von denen ich manches als schlechtes Karma betrachte. Von dem ich aber nicht wußte was die Ursache ist. Da ich ein Kopfmensch bin, der tendenziell alles mit dem Kopf lösen möchte kaue ich da schon ziemlich lange dran rum.

Und da hatte ich einen spontanen Impuls, eine Blume zu pflücken. Ich war völlig verwirrt, denn es war eine ziemlich hässliche Blume, eher ein Unkraut. Und eine zweite sollte auch noch gepflückt werden. Ich war wirklich nicht sicher was ich damit machen sollte, in mir kamen richtig abwertende Gefühle diesen armen Unkräutchen gegenüber auf. Ich trug sie eine Weile mit mir rum, und wie aus dem nichts fiel mir eine Situation ein. Und all die unguten Gefühle dazu. Ich habe einen Menschen in meiner Vergangenheit sehr verurteilt, für etwas, das ich selbst manchmal tue. Und habe mich damit quasi selbst verurteilt . Auf diesen Mensch wäre ich nie gekommen, aber scheinbar erinnerte mich dieses piksende Blümchen an diese Person. Alle Puzzleteile fügten sich und ich wusste: diesen Menschen muss ich noch um Vergebung bitten, zumindest innerlich, denn meine Gedanken ihm gegenüber waren schlecht und urteilend. Und mir selbst ebenso. Und genau das habe ich dann innerlich getan.

Nie im Leben wäre ich durch mein Grübeln genau auf diesen Menschen gekommen, das ging nur durch die Kette an Erlebnissen, Erkenntnissen und dann dem spontanen Folgen meines Impulses eben genau dieses Blümchen bzw. Unkraut zu pflücken. Und dann der Bereitschaft meine urteilenden Gedanken diesem Menschen (und mir selbst) gegenüber liebevoll anzunehmen und innerlich um Vergebung zu bitten.

Vergebung ist eine der stärksten Kräfte, den sie schafft Frieden. Wer vergibt der befreit sich und andere. Wer um Vergebung bittet schafft sich selbst den Frieden, den das Herz benötigt. Es befreit nicht von der Verantwortung, weiterhin zu versuchen seine Handlungen und Gedanken positiv auszurichten, aber wir müssen nicht für immer für etwas „büßen“ das wir einmal falsch gemacht (oder gedacht) haben.

Das ist meine kleine Geschichte zum Thema Karma. Jeder Mensch hat seine eigenen Themen, die er selbst herausfinden darf, wenn er das möchte. Karma hilft uns Menschen liebevoller zu werden und toleranter, andere Menschen besser zu verstehen. Mitfühlender zu werden. Handlungen oder auch Gedanken zu korrigieren und die Welt zu einem besseren Platz werden zu lassen.

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu – Mögen alle Lebewesen auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren (Mantra aus dem Sanskrit).

Mit dem sein was ist

Gerade passieren sehr herausfordernde Dinge. So herausfordernd zum Teil, dass es kaum noch möglich ist in der Mitte zu bleiben, alles was bisher noch relativ mühelos funktioniert hat klappt nicht mehr bzw. erfordert außergewöhnlich viel Raum. Alles ändert sich. Viele gehen nicht mehr arbeiten, sind plötzlich auf engen Raum zusammen mit der Familie oder sind ungewöhnlich viel allein. Oder werden plötzlich mit Dingen konfrontiert, die bisher weit weg schienen, den Katastrophen gab es immer nur in anderen Ländern, der Westen war bislang fast verschont.

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Die Welle surfen – ohne Schwimmflügel

Gerade ist eine extrem fordernde Zeit – für alle Menschen auf der Welt. Es wird alles durch gewirbelt, alles was gestern noch sicher war ist es nun nicht mehr. Wir befinden uns in einem Wellenbad, ohne Schwimmflügel. Die Pandemie hat Steine ins Rollen gebracht und dieser kleine Virus hat mit unglaublicher Kraft alles verändert. Plötzlich sind Dinge nicht mehr möglich, die es vorher  waren, wie zum Beispiel ein unbeschwertes Treffen mit Freuden oder so etwas profanes wie Toilettenpapier kaufen. Und Dinge werden möglich, die es vorher nicht waren, zum Beispiel flächendeckendes Home Office und Schulschließungen.

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Widerstand zwecklos – Der Weg zu einem leichteren Leben durch Loslassen

Diesen Buchtitel von Andreas Knauf habe ich gerade gelesen und für meinen  Text adaptiert, weil ich ihn so stimmig fand: Widerstand zwecklos – Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen wie es ist. Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen, aber an der Idee, da ist viel Wahres dran.

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Dein universeller Auftrag – Interview mit Indira

Auf der Suche nach einer Möglichkeit mich aus einer akuten Sinn-Krise zu befreien, bin ich über eine gute Freundin auf das Yoga-Soulretreat von Indira gestoßen. Bis dahin hatte ich eine Abneigung gegen Spanien, erst recht gegen Andalusien. Zu heiß, zu laute Spanier, zu viel von dem was sich eigentlich überhaupt nicht nach Rückzug anhört!  Zum Glück hat sie mich überzeugt, und ein paar Wochen später saßen wir schon im Flieger nach Jerez de la Frontera.

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