Verkörperung

Man liest, hört und spricht im Yoga sehr oft über die Entwicklung der feinstofflichen Ebene. Über spirituelle Entwicklung, Befreiung und Besänftigung des Geistes, über seelische Klärung. Wir Yogis wünschen uns sehr oft mehr Licht und sehnen uns nach einer spirituellen und geistigen Vervollständigung unseres unvollständigen Egos.

Ich finde geistige und seelische Entwicklung absolut erstrebenswert, und dazu gehört für mich auch die körperliche Erfahrung hier auf der Erde. Ich glaube daran, dass wir im Grunde geistige Wesen sind und feinstofflich existieren. Und ich verehrte gleichzeitig den materiellen Körper. Dieses Geschenk was uns gegeben ist, das uns auf dieser Welt erLEBEN lässt. Hier erfahren wir alles, Freude, Glück, Sinn, aber auch Schmerz, Angst, Emotion. Wenn wir achtsam sind erfahren wir Stille. Wir erfahren was uns umgibt, wir erleben eine wundervolle, große, weite, friedliche, kriegerische, duale und dennoch tief verbundene Welt.

Warum erzähle ich das?

Viele von uns haben Ihren Körper verlassen. Und nicht weil sie von dieser Welt gegangen sind, sondern weil sie sich in Ihren Kopf bewegt haben. Sie erfahren die Welt nicht mehr über den Körper, über Emotionen und Empfindungen, sondern über den Kopf. Über Bewertungen, über Erwartungen, über Leistungsdenken, über Pläne, Struktur, Kontrolle.

Yoga ist ein wunderbarer Weg wieder mit seinem Körper tun Kontakt zu kommen, sich selbst wieder fühlen und spüren zu lernen.

Yoga wird oft noch mit anderen sportlichen Disziplinen gleich gesetzt und teilweise wird Yoga auch als Leistungssport betrieben. In meinem Verständnis von Yoga geht es nicht um leisten. Es geht um ganzheitliches gesund werden.

Es geht um Verkörperung.

Es geht um das Wiedereinnehmen unseres Körpers und ein in Kontakt treten mit allem was dazu gehört.

Wenn wir unseren Körper wieder wahrnehmen und lernen ihn anzunehmen wie er gerade ist, egal welche Form er hat, egal welchen Gesundheitszustand er hat, egal welche traumatischen Erfahrungen er gemacht hat, dann können wir loslassen. Und dann ist Veränderung möglich.

Es fängt damit an sich morgens mal bewusst zu machen wie man sich fühlt. Sich im Laufe des Tages immer mal selbst zu beobachten und dem Atem nachzuspüren. Wie oft hält man in stressigen Situationen den Atem an und stoppt damit den natürlich Flow-Zustand. Sich immer mal wieder zu fragen was einem der schmerzende Rücken mitteilen möchte.

Ich bin morgens irgendwann mal aufgewacht und war nicht nur müde. Ich war erschöpft und ausgelaugt vom Leben. Völlig abgeschnitten vom Körper der jahrelang schon lautstark nach meiner Aufmerksamkeit gerufen hat. Yoga hat ihn mir wieder gegeben, meinen Körper. Ich habe mich dadurch erholen können und eine Rückverbindung erlebt. Man sagt nicht umsonst:

In einem gesunden Körper lebt eine gesunde Seele.

Natürlich gehört mehr dazu als ein paar mal auf die Yogamatte zu gehen, wenn man sich schon sehr weit von sich selbst entfernt hat. Das Aufwachen aus dem Schlaf des Bewusstseins ist schon etwas turbulenter 🙂 Jeder kann und darf Wacher werden, niemand muss.

Und in seinem Körper ankommen, mehr bei sich sein, dies kann JEDER erfahren. Jeder Mensch kann sich VERKÖRPERN. Jeder Mensch kann sein leben wieder in vollen Zügen und mit beiden Beinen auf der Erde stehend erleben. Wieder mit mehr Kraft, mehr Poster und aus der Tiefe seines Herzens Tun was ihm Spaß macht. Seiner Arbeit nachgehen, Zeit mit seinen Lieben verbringen.

Durch Verkörperung wird alles noch viel schöner 🙂