Karma und Vergebung

Schon lange beschäftigt und fasziniert mich das Prinzip des Karma der Yoga-Philosophie. Karma ist nach der indischen Philosophie das Prinzip der Ursache – Wirkung, d.h. die aktuell erlebte Wirklichkeit ist das Ergebnis einer Handlung der Vergangenheit. So kann man durch positive Handlungen auf eine gute Zukunft und aus schlechten auf eine schlechte Zukunft deuten. Wenn man dann die Handlung wieder ausgleicht, dann hebt man auch das Karma wieder auf. Das klingt erst mal nach ausgleichender Gerechtigkeit, aber was bedeutet das wirklich?

Jetzt hatte ich ein Erlebnis das mir das ganze verdeutlicht hat und mir auf diversen Ebenen zeigt, dass es Karma tatsächlich gibt, und dass es Möglichkeiten gibt, dieses aufzulösen.

Ich habe am Wochenende ein Seminar bei der wunderbaren Stefanie Arend besucht, in dem es um die Wirkung von Yin Yoga für traumatisierte Menschen ging. Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt was das jetzt mit Karma zu tun haben soll. Aber gleich mehr zu dieser Geschichte. Denn das Seminar war nur der Auslöser einer Kette von Ereignissen, die scheinbar zufällig ineinander greifen.

Ich wurde nochmal stark mit den Themen Bewertung und vorschnelles Verurteilen konfrontiert.

In dem Seminar haben wir eine Meditation gemacht, bei der man sich am Ende eine Farbe vorstellen soll, bei der man Kraft tanken kann. Bei mir kam eine Farbe, die mir erst mal überhaupt nicht gefallen hat. Ein dunkles Braun, das mein Kopf erst mal als ziemlich hässlich abgetan hat. Glücklicherweise weiß ich inzwischen, dass es in jedem hässlichen auch etwas schönes gibt und ich konnte es zulassen, diese Farbe auf mich wirken zu lassen. Und siehe da, dann kam ein dunkles Grün dazu, und ich hatte schnell das Gefühl ich liege auf einem weichen und warmen Waldboden und konnte mich sehr schön entspannen und mit der Erde verbinden. Wie schnell wir doch etwas als richtig oder falsch, als gut oder böse, schön oder häßlich einstufen, etwas ablehnen. Wie schnell man doch innerlich schlechte Gedanken entwickelt und etwas oder jemanden verurteilt.

Es kamen noch einige Erlebnisse im Außen, die genau dieses „Nicht bewerten“ oder „Ales darf sein und hat seinen Grund“ mir immer wieder zeigten. Insbesondere eine schöne Geschichte aus dem Büchlein „Weisheitsgeschichten des Yoga“ von Doris Ihding, eine Achtsamkeitslehrende und Gastdozentinnen des Seminars. In der Geschichte ging es darum, dass verurteilende Gedanken schlimmer sein können als fehlerhafte Handlungen. Also auch zu negativem Karma führen.

Nach dem Seminar machte ich abends einen kleinen Spaziergang und dachte eigentlich gar nicht mehr an die Ereignisse. Ich dachte nur kurz an die Themen, die sich in meinem Leben so ereignen und von denen ich manches als schlechtes Karma betrachte. Von dem ich aber nicht wußte was die Ursache ist. Da ich ein Kopfmensch bin, der tendenziell alles mit dem Kopf lösen möchte kaue ich da schon ziemlich lange dran rum.

Und da hatte ich einen spontanen Impuls, eine Blume zu pflücken. Ich war völlig verwirrt, denn es war eine ziemlich hässliche Blume, eher ein Unkraut. Und eine zweite sollte auch noch gepflückt werden. Ich war wirklich nicht sicher was ich damit machen sollte, in mir kamen richtig abwertende Gefühle diesen armen Unkräutchen gegenüber auf. Ich trug sie eine Weile mit mir rum, und wie aus dem nichts fiel mir eine Situation ein. Und all die unguten Gefühle dazu. Ich habe einen Menschen in meiner Vergangenheit sehr verurteilt, für etwas, das ich selbst manchmal tue. Und habe mich damit quasi selbst verurteilt . Auf diesen Mensch wäre ich nie gekommen, aber scheinbar erinnerte mich dieses piksende Blümchen an diese Person. Alle Puzzleteile fügten sich und ich wusste: diesen Menschen muss ich noch um Vergebung bitten, zumindest innerlich, denn meine Gedanken ihm gegenüber waren schlecht und urteilend. Und mir selbst ebenso. Und genau das habe ich dann innerlich getan.

Nie im Leben wäre ich durch mein Grübeln genau auf diesen Menschen gekommen, das ging nur durch die Kette an Erlebnissen, Erkenntnissen und dann dem spontanen Folgen meines Impulses eben genau dieses Blümchen bzw. Unkraut zu pflücken. Und dann der Bereitschaft meine urteilenden Gedanken diesem Menschen (und mir selbst) gegenüber liebevoll anzunehmen und innerlich um Vergebung zu bitten.

Vergebung ist eine der stärksten Kräfte, den sie schafft Frieden. Wer vergibt der befreit sich und andere. Wer um Vergebung bittet schafft sich selbst den Frieden, den das Herz benötigt. Es befreit nicht von der Verantwortung, weiterhin zu versuchen seine Handlungen und Gedanken positiv auszurichten, aber wir müssen nicht für immer für etwas „büßen“ das wir einmal falsch gemacht (oder gedacht) haben.

Das ist meine kleine Geschichte zum Thema Karma. Jeder Mensch hat seine eigenen Themen, die er selbst herausfinden darf, wenn er das möchte. Karma hilft uns Menschen liebevoller zu werden und toleranter, andere Menschen besser zu verstehen. Mitfühlender zu werden. Handlungen oder auch Gedanken zu korrigieren und die Welt zu einem besseren Platz werden zu lassen.

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu – Mögen alle Lebewesen auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren (Mantra aus dem Sanskrit).

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