Widerstand zwecklos – Der Weg zu einem leichteren Leben durch Loslassen

Diesen Buchtitel von Andreas Knauf habe ich gerade gelesen und für meinen  Text adaptiert, weil ich ihn so stimmig fand: Widerstand zwecklos – Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen wie es ist. Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen, aber an der Idee, da ist viel Wahres dran.

Etwas in uns versucht sich gegen etwas zu stellen, gegen das wir einfach keine Chance habe. Gegen das Leben. Denn wenn das Leben uns in einer bestimmten Situation haben, oder eben nicht haben will, wir uns aber etwas ganz anderes „in den Kopf gesetzt“ haben, dann wird es einfach schwer für uns werden.

Wenn das Leben uns zum Beispiel zu einem wunderbaren Empathen gemacht hat, der gut mit Menschen arbeiten kann und Kinder liebt, der z.B. ein toller Kindergärtner geworden wäre, wir aber aus irgendeinem Grund denken (Geld? Was sagen die Eltern? etc.), wir müssten einen Managerposten in einem Wirtschaftsunternehmen anstreben, dann werden wir das zwar hinbekommen. Wir werden uns aber tierisch verbiegen und anstrengen müssen.

Sich gegen das Leben und sich selbst zu stellen ist einfach sehr sehr Kräfte zehrend, denn es kostet enorme Energie sich gegen etwas zu wehren, das uns das Leben bietet weil es eben da ist, oder um etwas zu kämpfen, dass eben (noch) nicht da ist. Natürlich soll man nicht auf der faulen Haut liegen und denken die gebratene Taube fliegt einem in den Mund. Das ist ab und zu erlaubt, aber wenn keine Taube kommt darf man auch aufstehen und das Fenster aufmachen….Man sollte sein Leben leben, raus gehen, arbeiten gehen, alles was dazugehört. Aber man sollte nicht nach etwas streben, und dabei vergessen im Hier und Jetzt zu sein.

Zum Beispiel wenn man als Single unzufrieden ist, weil man glaubt mit einem Partner an seiner Seite würde man sich nicht mehr so allein fühlen und das Leben würde schöner. Dann wird man sich zuerst fürchterlich bemühen schnell einen Partner zu finden, man wird sich verabreden so viel es geht. Und vielleicht dazu noch visualisieren was das Zeug hält, positiv denken usw. Und dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man bei der Auswahl des neuen Partners Kompromisse eingeht: Hauptsache, man ist nicht mehr allein. Und wenn sich die innere Stimme immer wieder meldet, wenn man unglücklich ist, dann sollte man hinhören. Ansonsten kann es passieren dass man sich verrennt, dass man sich in ein er unglücklichen Partnerschaft festhält und irgendwann denkt: wie komme ich da nur wieder raus? Und spätestens dann wird man wieder auf das Ursprungsproblem zurück geworfen: Der Wunsch vom Außen etwas zu bekommen, „schönes Leben“ oder „Nicht alleine fühlen müssen“. Damit, und mit den über die Jahre entstandenen Verletzungen, die man sich durch Jahrelanges sich selbst etwas vormachen selbst zugefügt hat, muss man sich dann auseinandersetzen.

Diese Wege raus aus verfahrenen Lebenssituationen (falsche Beziehung, falscher Job, etc.) sind sehr schmerzhaft und mühselig, es können sich heftige Lebenskrisen entwickeln. Diese können auch ihre Berechtigung haben, weil es manchmal einfach eine Lebenskrise braucht, um sich selbst kennen zu lernen.

Aber auch ohne eine Lebenskrise kann man sich selbst kennen lernen, indem man sich immer wieder auf seinen Lebensweg besinnt. Wenn man als Single eben auch mal das Allein sein zelebriert, mit den Höhen und Tiefen des Singledaseins lebt, wie es auch in Partnerschaften Höhen und Tiefen gibt. Man darf lernen dem Leben zu vertrauen, dass man zur richtigen Zeit den richtigen Partner kennen lernen wird. Da ist das Leben sehr kreativ, das kennt wahrscheinlich jeder von uns.

Damit ist nicht gemeint, dass wir alle Opfer des Schicksals sind. Aber ich glaube es ist ein Herzens-Weg für jeden von uns bestimmt, und diesen zu gehen ist unser Schicksal. Bisher habe ich noch oft gedacht es gehe darum alle seine Ziele zu erreichen und deshalb glücklich zu werden. Dazu muss man sich einfach nur genug anstrengen, man muss einfach immer nur positiv denken, toll visualisieren, und alle seine Blockaden lösen. Man müsse sich spirituell weiterentwickeln und ein besserer Mensch werden. Teilweise auch richtig, man kann durch äußere Ziele glücklich werden. Aber es hat Grenzen. Denn: sind es auch die Ziele, die man wirklich wirklich haben will, vom tiefsten Zentrum des Herzens? Entspricht das dem, was die Seele mit einem hier auf der Erde vorhat? Ich finde Ziele sind wichtig, man muss sie aber auch wieder loslassen können. Und meistens kommt wenn man ein Ziel erreicht hat schon wieder das nächste, und man ist wieder unglücklich bis dieses Ziel erreicht ist.

Das Aufgeben des Widerstands gegen das, was momentan ist, das ist LOSLASSEN. Das Aufgeben des Kampfes um das, was momentan nicht ist, das ist LOSLASSEN. Das Aufgeben der Erwartungen an sich selbst und an andere, das ist LOSLASSEN. Jeden so sein lassen wie er ist und tolerant mit sich und anderen Menschen umgehen, das ist LOSLASSEN. Und vieles mehr.

Als Yogalehrende und Yogapraktizierende kenne ich die inneren Widerstände, die auch in der Yogapraxis dazu führen können, dass man sich nach einer Stunde nicht gechilled und relaxed, sondern durcheinander und angespannt fühlen kann. Das manche Übungen, die entspannend sein sollen, doch zu so viel Stress im Körper führen können. Diese inneren Widerstände sind auch wieder Blockaden, aber diese sind anders zu lösen, als die emotionalen, mentalen oder auch körperlichen Blockaden, die uns im Leben behindern und die es zu überwinden gilt, weil sie uns aufhalten unser wahres Leben zu leben. Für diese gibt es Techniken, man kann also etwas TUN.

Gegen die inneren Widerstände, die uns immer wieder sagen unser Glück käme vom Außen, gibt es nicht zu tun. Im Gegenteil, diese inneren Widerstände lösen sich auf durch NICHTS-TUN. Kein Kämpfen, kein Wehren, keine Yogaübung, einfach NICHTS tun. Akzeptieren das es so ist wie es ist, sich ansehen was da ist, es genau betrachten und nach und nach lernen, das es okay ist wie es ist. Um dann zu bemerken, dass es sich vielleicht genau durch diese geduldige Akzeptanz von selbst verändern kann.

Auf den Körper bezogen im Yoga wäre das zum Beispiel, wenn wir unbedingt eine lehrbuchmäßige Vorbeuge hinbekommen wollen, haben aber eine stark verkürzte Oberschenkelmuskulatur. Da können wir jetzt ziehen und reißen, um das hin zu bekommen. Das hat aber meistens nur Schmerzen zur Folge (oder wie bei mir einen Muskelfaserriss). Wir können aber auch akzeptieren, dass der Körper das eben (noch) nicht kann und einfach in jeder Yogastunde so weit gehen, wie es eben geht. Und erfahrungsgemäß geht es irgendwann einfach besser als vorher, und wenn es für den Körper gut ist wird er auch immer mehr nachgeben, so dass die Muskelverkürzung sich auflöst.

Nicht leicht. Gar nicht leicht, zugegeben. Ich selbst übe mich auch immer wieder daran, ich bin einfach eine Stiernatur und geduldiges Akzeptieren gar nicht meine Stärke. Da kennt das Leben aber leider kein Pardon, da muss auch ich dann durch.

Unterstützen kann man diesen Prozess dadurch, dass man sich daran erinnert, dass das was man gerade erlebt nur eine Phase ist, die vorbei geht. Man muss sie einfach nur durchleben, und wenn sie durchlebt ist kommt die nächste. Man kann es weder beschleunigen noch abkürzen, aber man kann es akzeptieren. Dadurch wird es einfacher damit umzugehen.

Die Qualität der Hingabe, die im Yoga notwendig ist, die Zuwendung, die man sich selbst gibt, das geduldige Üben: diese Dinge können sehr unterstützen, und den Weg erleichtern. Yoga wirkt transformativ, da es als ganzheitliche Übungsform auf die verschiedenen Lebensphasen eingeht. In der Phase der Stagnation und des Festhaltens schafft Yoga Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. In der Phase der Veränderung schafft Yoga Zeit und Ruhe für uns selbst. Yoga dient als Anker und gibt Stabilität in emotional und seelisch schwierigen Prozessen. Es wirkt auf der spirituellen Ebene und stärkt unsere Aura durch physische Praxis, bewusste Atmung und durch Meditation.

Deshalb empfehle ich immer wieder Yoga, aber auch nun immer mehr mit dem Hinweis, dass es immer wieder Zeiten geben wird die schwierig sind. Und diese sind so individuell und verschieden wie die Menschen. Manchmal sind diese schon am Anfang, denn das sich einlassen auf die Ruhe und auf sich selbst ist für viele Menschen eine Überwindung. Manchmal auch nach einigen Stunden, wenn der Körper sich vielleicht durch Schmerzen meldet und nicht so gut funktioniert wie man das gerne hätte. Man wird auf eigene Muster gestoßen, und das ist zunächst vielleicht unangenehm. Es kann aber ich sein, dass es einfach nur unheimlich gut tut mal einen Raum zu haben, in dem man sich fallen lassen und entspannen kann. Ich kann nur sagen: dran bleiben lohnt, denn wenn man durch die Phasen geht winkt immer ein Stückchen mehr Freiheit.

 

 

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